20. Juli 2015

persönliches... ein eis mit oma

neunzig ist sie... meine oma. jahrelang sahen wir uns zu weihnachten, zu ostern und vielleicht mal zwischendurch. gerne hat sie briefe geschrieben. viel zu selten habe ich geantwortet. nun ist die chance vertan. wie schnell es geht, das wenn der körper zickt auch irgendwann der geist nicht mehr so tut wie wir es gewohnt sind.

irgendwie verrückt. aber ich bin doch nicht doof.
nein, oma... möchte man sagen... du bist nicht verrückt. nur in die jahre gekommen. das ist ok.

mal schnell vorbei zu schauen, eigentlich ganz einfach... dabei doch ganz schwer. 
bemitleide ich mich, die zeit die wir hatten nie genutzt zu haben, oder doch vor allem sie? wie sie da liegt? in der eisdiele zwei becher eis besorgt, die sie mag... und mir den einstieg erleichtern. 

     wer sind sie denn? 
     ich bin´s die julia..
     die LINA?
     nein... deine enkelin julia.
     wer?
     JULIA, DEINE Enkelin.
     UNSERE julia? 
     ja, genau die... 

ein strahlen über´s gesicht... die gedankenwelt und das hier haben kurz den gleichklang gefunden. 

     ich hab dich gar nicht erkannt, gut siehst du aus. 

sie freut sich... grinst übers ganze gesicht. über ihre enkelin und übers eis. grübelt wann wir uns wohl das letzte mal gesehen haben könnten... (vor zwei wochen, an ihrem geburtstag, sie erinnert sich nicht... aber das ist ok).
wir plaudern ein wenig... sofern man das schreien so nennen kann. kommen auf´s thema urlaub. sie erzählt mir wie gerne sie früher nach österreich gefahren ist... und in den schwarzwald. für kurze momente fühlt es sich tatsächlich so an als plaudere ich einfach mit meiner oma. 

     wann willst du denn ins kino? heute abend noch? 
     kino? wie kommt sie denn darauf? 
     ähm.. ja, später...
     in welches kino willst du denn? nach frankfurt?
     ich impovisiere... am rossmarkt, das cinema, das kennst du sicher...
     da parkst du bestimmt an der hauptwache
     ja genau... im alten parkhaus. 
     na dan schau, dass du los kommst.

eigentlich will ich gar nicht ins kino... aber spielt das wirklich eine rolle? weggeschickt werden wir eh immer... schätze, dass es der moment ist wo es ihr zu viel wird. vielleicht will sie aber auch nur nicht zur last fallen... ich verspreche demnächst wieder vorbei zu kommen. mit einem eis.

     aber nicht so viel, das wird so teuer. aber es war seeeehr lecker! 
     und jetzt mach` das du endlich in´s kino kommst.

ach oma. dich strahlen zu sehen während du dein eis löffelst. dir den einen guten moment zu schenken... hoffentlich hält der sommer noch einige kugeln für uns bereit.

Kommentare:

  1. Ich bin berührt. Und ich bin gerührt. Und ich kenne das, ich verstehe dich so gut!
    Ich wünsche euch beiden noch viele Kugeln Eis zusammen!
    Ach nee, jetzt kommen mir echt die Tränen. Schlimm, bei Omas bin ich immer so nah am Wasser gebaut.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Die Zeit zu genießen die man noch gemeinsam hat, das ist eine so schöne Erkenntnis und du hast den Schritt gewagt. Nicht immer leicht, wenn der Geist nachlässt und manche Situation auch verletzend sein kann. Doch die Nähe, die Worte, der "Eisbrecher". All das und die Einsicht die Zeit zu nutzen, einige Momente für die Ewigkeit zu schaffen. Ich wünsche euch einen warmen Sommer mit vielen Eiskugeln ♥

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  3. Ein richtig schöner, persönlicher Post. Und irgendwie kann sich sicher jeder darin wiederfinden: denn haben wir nicht alle Omis und Opis, mit denen wir häufiger ein Eis essen sollten?

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