21. Januar 2015

persönliches... aus der welt?

vor ein paar tagen wurde ich von einer kollegin, guten freundin, angesprochen ob ich das flow magazin kenne. sie hätte im zeit magazin davon gelesen.

klar kenne ich das. gelte wohl als zielgruppe... zu mehr als einmal durchblättern hat es aber bisher nicht gereicht. warum? weil die welt darin mir etwas zu lieblich, zu plüschig, zu fern ab von allem ist.

dennoch meint der zeit artikel wohl auch mich. den blog des 'hipster ladens' do you read me habe ich schon lange abonniert. auch die zweite ausgabe des emotion ablegers slow hat es zu mir auf den couchtisch geschafft. the weekender habe ich hier schon vorgestellt.
meine wohnung ist mir wichtig. auch wenn es 'nur' eine mietwohnung ist, war es für mich fast selbstverständlich kosten und mühen für das freilegens des dielenbodens nicht zu scheuen, die türen abzuschleifen und sockelleisten neu zu lackieren. mag manch einer übertrieben finden, aber in meiner wohnung möchte ich mich wohlfühlen, mich mich schönen dingen umgeben...

aber ist mir die welt deshalb gleich zu viel? flüchte ich deshalb aus der realität?

vor dem ein oder anderem kann man zur zeit vermutlich auch nur flüchten wollen. wenn die gesellschaft sich die frage stellen muss, ob eine demonstration zum schutze der demonstranten verboten werden darf, die ihrerseits für meinungsfreiheit kämpft, dabei aber eine meinung vertritt, die die meinung vieler anderer nicht akzeptiert.
wenn menschen am arbeitsplatz hingerichtet werden, nur weil sie dinge gezeichnet haben, die nicht jeder so sehen will. 
wenn menschen lieber den tod auf dem meer in kauf nehmen, als in ihrer heimat zu bleiben und dafür, endlich in sicherheit, mehr verwahrt als willkommen geheißen werden.

wegrennen klappt nicht, wegesehen nützt nichts.

vermutlich macht es, wie in allem, die gesunde mischung. denn nur wenn ich informiert bin, kann ich mitreden, kann ich mir eine meinung bilden, kann ich stellung beziehen. 
zum sonntagsfrühstück die frankfurter allgemeine sonntagszeitung, nachmittags zum kaffee ein magazin mit griffigem papier, mattem druck und schönen bildern. am rechner, die schöne welt der einrichtungs- und schnick-schnack-blogs und zwischendurch eine nachrichtenseite.

vielleicht bin ich nicht besonders politisch, führe selten eine diskussion nur der diskussion willen und freue mich wenn die stimmung um mich herum einfach gut ist. vielleicht ist der weg ja gar nicht so schlecht. wenn alle ein wenig mehr toleranz für ihr umfeld mitbringen, sich ein bisschen mehr umeinander kümmern, würde das ein oder andere problem erst gar nicht entstehen.

wer aber glaubt, dass die ganze welt aus der suche nach der perfekten wandfarbe, den stylishsten sneakers oder dem ultimativen urlaubsfoto besteht, der irrt... mein blog ist ein teil von mir, sollte jedoch nie zum ende meines tellerrandes werden.


nachtrag...
die letzten worte bereits getippt, stelle ich fest, dass mecki von fein und raum vor ein paar tagen bereits über den gleichen artikel gestolpert ist... ihre gedanken sind meinen glaube ich gar nicht so fremd.

Kommentare:

  1. Ach ja ... ja, hatte das bei Mecki auch schon gelesen und mich aufgeregt (obwohl ich den Artikel immer noch nicht gelesen habe). Immer diese Generation XYZ (Alter: 13-45) ist gerade soundso und sowieso zu nichts zu gebrauchen, weil ... sie es gerne schön hat oder neuerdings wieder Gemüse pflanzt oder sonstwas. Auch wenn ich es gerne hübsch habe und mich mit Blogs und Schnickschnack beschäftige, kann ich trotzdem morgens in der U-Bahn den Spiegel lesen und mir Gedanken machen. Mein Facebook-Feed besteht zum Beispiel aus einigen wichtigen Tages- und Wochenzeitungen plus der Flow und dem Spaß-Account von George Takei. Wer hat eigentlich behauptet, dass man nur Interesse im Leben haben kann?
    So. Und jetzt lese ich vielleicht endlich mal den Artikel und rege mich noch mehr auf. ;)

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    1. mhhh... so richtig aufgeregt hat mich der artikel eigentlich gar nicht. mehr zum nachdenken angeregt.

      mich stören die generationen-schubladen aber auch nicht so richtig. der mensch braucht (meiner meinung nach) schubladen um sich die komplexe welt zu vereinfachen. hat er zeit näher hinzusehen, stellt er fest, dass nicht alles was er rein geschmissen hat auch wirklich rein gehört.
      und den versuch überschriften für jahrgänge oder generationen zu finden gibt es ja eigentlich auch schon länger.

      ein bisschen biedermeier wird schon zutreffen... so lange das nicht alles ist worauf man sich oder andere reduziert.

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  2. Mein Kommentar ist weg!! Wtf.
    Bei Mecki hab ich schon was dazu geschrieben und um auf die Schubladen zu sprechen zu kommen. Sie sind ja nicht erfunden, sondern beruhen auf wissenschaftlichen Methoden (die Soziologin in mir verspürt so etwas wie Berufsehre). Die Ergebnisinterpretation ist wohl das Problem.
    Gleichzeitig sollte man wissen, dass man mit einem Klick für eine Aktion bei Facebook, nicht politisch ist. Auch wenn man damit etwas ausdrücken will, so ist es doch nichtssagend. Früher war da dieser Aktionismus, der heute wieder aufleben sollte. Da ists aber auch egal ob ich blogge oder Zeitschriften lese, denn das politische, gesellschaftliche, kulturelle Ventil braucht man zum Überleben.
    Mich nervt allerdings, dass durch diese ganze "Like-Kultur" vieles unbedacht verbreitet wird und dass zur selben Zeit des Paris Massakers in Nigeria eine Stadt ausgeschlachtet wurde interessiert dann ja auch niemanden mehr. Darüber können wir dann ja in zwei Monaten in einschlägigen Magazinen drüber lesen.
    Ich mag die Tatsache, dass nicht immer nur Heile-Welt auf den Blogs zu sehen ist und finde gut, dass du das Thema hier nochmals anstößt ;)

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    1. ich hab ihn nicht... ehrlich. also deinen kommentar. freue mich doch über jeden, der sich beteiligen will.

      soziologin... spannend. wusste ich gar nicht. da merkt man manchmal wie wenig man eigentlich über den menschen hinter dem blog weiß.

      und bezüglich der like-kultur muss ich dir rechtgeben. ein like geht schnell... ein like tut nicht weh. und schon das fehlende "dislike" zeigt wie wenig kritische auseinandersetzung erwünscht ist.
      ich fühle mich meist ertappt, wenn ich unter einen post einfach "like" schreiben will. weil ich mag was ich sehe, mir aber gar keine gedanken mache, warum ich etwas mag.

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  3. Ich freu mich über Deinen Artikel, Deine Gedanken und die vielen Kommentare bei Dir und mir, die zeigen, dass viele von uns Bloggern nicht wegsehen, obwohl auf unsern Blogs das Schöne und oftmals Harmlose im Vordergrund steht.
    LG, Mecki

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